Zeit für den wahren Willen – Rückläufiger Mars Teil 1

Zeit für den wahren Willen – Rückläufiger Mars Teil 1
Liebe Planetentippleserinnen und Leser,
kaum wird Merkur rechtläufig, da verlangsamt Mars seinen Lauf und bleibt stehen, um in wenigen Tagen seine Kehrtwende zu vollziehen. Auch er wird rückläufig. Das macht er nur sehr selten, um genau zu sein, am seltensten von allen Planeten! Er braucht 18 – 22 Monate für eine Runde durch den Tierkreis und wird etwa alle 26 Monate für ca. 60 – 80 Tage rückläufig. Er hat daher die längste Periode der Nichtrückläufigkeit von allen Planeten. Seine Rückläufigkeitsphasen wirken daher für uns am Ungewohntesten, und damit besonders intensiv. Während der Zeit seiner Rückläufigkeit, sowie davor und danach bekommt er die Wirkkraft eines Langsamläufers und steht Saturn, Uranus und Pluto in seinen Auswirkungen kaum nach.

Was bedeutet Rückläufigkeit?

Wenn wir davon ausgehen, dass ein Planet, der rückläufig ist, dieselben Tierkreisgrade überschreitet, die er schon überschritten hat, nur in umgekehrter Richtung, und sie dann noch einmal überschreitet, wieder in der „beabsichtigten“ Richtung, erinnert uns das an Folgendes:
Ich stelle mir vor, wie ich das Haus verlasse und schon eine Weile unterwegs bin – und dann plötzlich das dumpfe Gefühl habe, etwas zuhause vergessen zu haben. Ich werde langsamer und bleibe schließlich stehen, bis mir einfällt, dass ich z.B. eine wichtige Unterlage vergessen habe. Jetzt kommt der Moment, in dem ich entscheiden muss, ob ich noch einmal zurückgehen soll, ob es wichtig genug ist, jetzt noch einmal den ganzen Weg zurückzugehen. Und ich stelle fest: Ich muss zurück. Also kehre ich um, hole die Unterlagen – und stelle vielleicht fest, dass ich außerdem noch die Herdplatte angelassen habe! Schließlich nehme ich meine ursprüngliche Richtung wieder auf.
Rückläufigkeit ist also etwas, das uns auf der einen Seiten unangenehm sein kann, weil sie uns von unserem geplanten und gewollten Weg abbringt und uns zwingt, noch einmal zurückzugehen. Wir verlieren Zeit, ärgern uns vielleicht darüber und sind verdrießlich. Wenn wir dann diesen Moment der Trägheit überwunden haben und zurückkehren, werden wir vielleicht merken, dass wir wichtige Dinge auf unserem Wege vernachlässigt und vergessen haben, die jetzt in unser Bewusstsein drängen. Die Zeit der Rückläufigkeit ist eine Phase, in der wir Dinge entdecken, die wir in unserer Eile außer Acht gelassen haben. Es ist ein Phase, in der wir noch einmal zur Gründlichkeit angehalten werden und uns noch einmal Gedanken darüber machen können, was wir nicht vergessen dürfen. In bestimmten Lebensphasen müssen wir uns zurückziehen oder etwas vollenden, was wir zu einem früheren Zeitpunkt noch nicht abgeschlossen hatten.
Vielleicht gibt es Themen, die zu kurz kommen? Situationen, die noch mehr unserer Aufmerksamkeit bedürfen? Manchmal entdecken wir erst dann wichtige Dinge, wenn uns das Leben aufhält und uns auffordert, noch einmal genau hinzusehen, bevor wir uns aufmachen, die Welt zu erobern.

Wofür ist die Zeit des rückläufigen Mars gut?

Die Rückläufigkeit des Mars schützt uns vor Aktionismus und verlangt bewusstes Handeln. Sie hält uns in unserem Sturm und Drang auf und verlangt von uns Gründlichkeit, in den Dingen, die wir tun und unternehmen. Vielleicht entdecken wir genau dann, dass unsere Planungen fehlerhaft, zu spontan und zu sehr aus der Laune heraus getroffen wurden – und dass es unseren Vorhaben gut tut, noch einmal überprüft zu werden, ob wir sie auch aus der richtigen Motivation heraus gestartet haben. Unser Mut, unsere Entschlossenheit und Durchhaltekraft werden ebenfalls einer Prüfung unterzogen. Lassen wir uns vom geringsten Widerstand von unserem Vorhaben abbringen? Bringen uns Schwierigkeiten leicht dazu aufzugeben? Ist unser Wille schwach?
Ein rückläufiger Mars bietet uns Stärke, die sich aus innerer Sammlung speist. Ähnlich der Kraft eines asiatischen Kampfsportlers liegt die Stärke in der Konzentration der Kraft aus der inneren Mitte heraus. Es ist daher eine Phase, die sich besonders gut zur intensiven Beschäftigung mit einem Thema eignet. Unsicherheiten in Bezug auf Entschlossenheit, Mut, Tatkraft, Energie, Stärke, Durchhaltevermögen und Vitalität kommen jetzt zum Vorschein und können bearbeitet werden.
Mars ist zuständig für die innere Kraft, für unsere Fähigkeit, für uns einstehen zu können und im Zweifelsfall auch mal alleine dazustehen. Er symbolisiert auch unsere körperliche Abwehr, unsere Fähigkeit zur Abgrenzung und Individualität. Er steht für Einsatz, Engagement und Arbeit. Unter dem rückläufigen Mars müssen oder können wir uns vielleicht intensiv einer bestimmten Sache widmen, die uns weiter bringt. Mars ist die Antriebskraft, die alles mit Energie auflädt, was sie berührt. Im Transit sind das die Planeten und Häuser. Ist die Energie besonders stark oder wird sie nicht adäquat und vor allem aktiv ausgedrückt, können Konflikte entstehen oder lange und tief schwelende Konflikte zum Ausbruch kommen.
Als Ärger, Wut, Gereiztheit, Angriff, Krankheit, Fieber, Infektion, Verletzung, Verbrennung oder als Unfall erleben wir den rückläufigen Mars zuweilen auch. Dies zeigt eventuell einen besonders hartnäckigen Energiestau an, der uns womöglich schon lange begleitet. Die Verzögerungen bei dem Erreichen unserer Ziele können uns frustrieren oder aber unsere Einstellung verändern. Ob wir den rückläufigen Mars als sehr krisenhaft und energieraubend oder als impulsgebend und anspornend erleben, hängt letztlich zu einem großen Teil davon ab, ob unser Wille ein „erlernter“ oder „erzwungener“ Wille ist, also etwas, das wir aus Gewohnheit zu meinen wollen, bzw. etwas, das uns und anderen eigentlich nicht gut tut, oder ob wir mit unserem höheren, seelischen Willen im Einklang handeln. Unser höherer Wille hat immer nur unser Bestes und das der anderen im Auge. Wenn wir ihm folgen, breitet sich in uns Freude und Energie aus, ein Gefühl von Kraft und mühelosem Antrieb, verbunden mit großer Lust auf das, was wir tun wollen. Wenn wir wissen, dass es richtig ist, haben wir überhaupt erst die Motivation, mit großer Entschlossenheit auch gegen Widerstände durchzuhalten.
Wir können es also überprüfen: Steht unser Wille mit unserem wirklichen SEIN, mit unserem „höheren Willen“ in Einklang? Dann ist das, was wir wollen, etwas, das uns Energie und Kraft bringt, nicht nimmt. Wenn es uns Energie raubt, ist es besser, dem Thema den Rücken zu kehren. Und dazu erhalten wir in den kommenden Wochen die Gelegenheit.
In der Kindheit musste sich unser Wille oft dem überlegenen Willen der Eltern oder dem von Autoritätspersonen beugen. Vielleicht fällt es uns daher bis heute schwer, unserem wahren Willen bereitwillig zu folgen. Die innere Schlacht, die der rückläufige Mars auslösen kann, fordert uns dazu auf, nicht mit Vehemenz einfach unreflektiert das durchzusetzen, was wir immer schon geglaubt haben. Auch wenn dies scheinbar ein „hehres“ oder „unegoistisches“ Ziel ist. Wenn der Antrieb dazu aus Ängsten, Emotionen und einem begrenzten Denken kommt, ist es nicht unser höherer Wille. In dieser Phase helfen uns Geduld, Wachsamkeit und Innenschau, die Wende zu vollziehen, um im Kampf der Willenskräfte ein neues Gleichgewicht zwischen unserem bisherigen Handeln und unserem wahrem, seelischen Wesen zu finden.

Fortsetzung folgt.

Herzlichst,
Sabine

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