Wie entsteht ein Problem?

Wie entsteht ein Problem?

Wir glauben häufig, uns schlecht zu fühlen, weil jemand anderes etwas Bestimmtes getan oder gelassen hat. Wir sind beispielsweise traurig, wenn wir erfahren, zu einer Geburtstagsfeier nicht eingeladen zu sein, deren Gastgeber wir zu unseren Freunden zählen. Oder wir sind enttäuscht, wenn wir unser Partner sein Versprechen uns gegenüber nicht einhält. Wir sind sauer, wenn jemand uns beim Autofahren mit Hupen oder dichtem Auffahren bedrängt, wird werden wütend, wenn uns jemand ungerechtfertigt anschreit. So haben wir ständig damit zu tun, übellaunigen Menschen aus dem Weg zu gehen, dafür zu sorgen, dass sich unsere Freunde und Partner richtig verhalten und vieles andere mehr. Nur… Hast du mal bemerkt, dass das alles nichts nützt? Dass du es nie völlig im Griff hast? Dass immer irgendwer irgendwas tut, das dir nicht gefällt? In deiner Nähe oder woanders auf dieser Erde? Vielleicht geht es ja gar nicht darum, alles in der Außenwelt zu kontrollieren und im Griff zu haben. Schauen wir uns doch mal genauer an, wie es überhaupt zu einem Gefühl von Enttäuschung, Wut oder Traurigkeit kommt, wenn andere Menschen mit im Spiel sind. Nehmen wir einmal an, du hast eine Verabredung mit einer guten Freundin oder einem guten Freund. Du hast dies schon lange geplant und freust dich sehr darauf. Nehmen wir nun weiter an, dein Freund oder deine Freundin sagt eure Verabredung kurz vorher ab.

Es gibt nun zwei mögliche Arten, wie du es aufnehmen kannst.
Vielleicht …
a) freust du dich, weil du durchaus auch Lust auf etwas anderes hast.
b) bist du enttäuscht, weil du dich arg gefreut hast und jetzt nicht bekommst, was du wolltest.

Bei Reaktion a) hast du kein Problem.
Bei Reaktion b) hast du ein Problem.

Wäre der Termin nicht abgesagt worden, hättest du dann ein Problem, wenn du selbst eigentlich keine Lust mehr auf das Treffen hast. Daraus lerne ich: Das Problem liegt niemals in den Umständen, also in dem, was geschieht. Sondern das Problem entsteht erst durch meine Reaktion auf das Geschehen. Die Terminabsage und nachfolgende Enttäuschung ergibt das Problem. Die Terminabsage allein bewirkt noch gar nichts. Das Geschehen an sich erzeugt kein Problem. Doch sobald etwas geschieht, hefte ich gedanklich eine Bewertung daran: „Das ist schlecht. Ich bin enttäuscht.“ Oder „Das ist gut. Ich freue mich.“

Eine Welt ohne Probleme?

Ohne die gedankliche Bewertung gäbe es kein Problem. Probleme entstehen also in unserem Kopf. Spirituelle Traditionen sagen: Nichts außerhalb unserer selbst kann uns Leid zufügen. Allein die Gedanken, Urteile und Bewertungen, die wir an das Geschehen heften, bescheren uns Leid oder Freude. Daraus folgt unmittelbar, dass alles aus einer Betrachtungsweise entsteht und von unserer Perspektive abhängt. Es gibt im Grunde kein „Problem“ und keine „Lösung“, außer in unserem Kopf. Wären wir in der Lage, alles, was ist, vorurteilsfrei zu akzeptieren und gleichermaßen zu lieben, hätten wir kein Problem.

Das ist im Grunde der Zustand der Erleuchtung. Nun sind die meisten von uns nicht in diesem Zustand (was ich hiermit aber eigentlich nicht bekräftigen möchte, denn wenn wir Erleuchteten Glauben schenken wollen, müssen wir uns einfach nur an diesen Zustand erinnern und sind tatsächlich niemals von ihm entfernt). Aber viele von uns fühlen es offenbar noch nicht. Vielleicht gibt es ja einen Weg dorthin, einen Weg der Erinnerung. Einer davon ist der Weg, unsere Gedanken, Urteile und Bewertungen zu hinterfragen. Ich selbst bin auf diesen Weg gekommen, als Saturn an meinem AC stand und ich durch eine schwierige Situation hindurchgehen musste. Was damals geschah, stand so sehr im Konflikt zu meiner eigenen Gedanken- und Wahrnehmungswelt und hat mir so viel Leid bereitet, dass ich angefangen habe, Verantwortung für meine Gedanken, Urteile und Bewertungen zu übernehmen.

„Wir denken nicht, wir nehmen Gedanken an.“

Unser Denken ist ein sich selbst bestätigender Mechanismus. Unser Verstand denkt etwas, das heißt eigentlich: er nimmt einen Gedanken auf. Denn Gedanken sind noch nicht einmal ein Produkt von uns selbst. Sie sind universell und kommen uns einfach in den Sinn. Wie Vögel, die kurz durch unseren Garten fliegen. Sobald wir einen dieser Vögel festhalten, uns also an einen Gedanken heften, glauben wir diesen Gedanken, wenn wir ihn nicht hinterfragen. Unser Verstand sucht dann automatisch Beweise für die Richtigkeit dieses Gedankens. Seine Aufgabe ist es nämlich, Recht zu haben. Ab diesem Moment können wir nicht anders als die Welt genau so zu sehen wie wir denken. Unsere Wahrnehmung wird von diesem Gedanken, an den wir uns geheftet haben, geprägt.

Das ist im übrigen auch der Ursprung von Projektion. Alles, was wir wahrnehmen, wurde in uns zuvor gedacht. Dabei kann das ablehnendes Denken oder Wunschdenken sein – das spielt keine Rolle. Unsere Gedanken sind dazu bestimmt, sich zu realisieren. Sie erschaffen unsere Wirklichkeit.

Wenn wir leiden und ein Problem haben, können wir nun also:

·    auf der äußeren Symptomebene herumdoktorn; den Freund oder die Freundin für die Terminabsage kritisieren, um in unserem Beispiel zu bleiben. Wir alle tun das. Und setzen uns damit in Widerspruch zur Realität. Das erzeugt meist nur weiteres Leid, weil wir die Dinge um uns herum nicht kontrollieren können. Wir alle haben die Erfahrung gemacht, dass wir andere Menschen nur bedingt ändern können (denke an deinen Partner oder deine Partnerin oder Expartner), größere gesellschaftliche Systeme noch schwerer (Schulsystem) und universelles Geschehen (Erdbeben) fast gar nicht. Dennoch beschäftigen wir uns pausenlos mit den Umständen und holen uns ständig neue Beulen.

·    alternativ dazu unser Denken hinterfragen. Das bedeutet in der Konsequenz nicht, dass uns das Leben und die Umstände egal werden. Wir hören nur auf, alles kontrollieren zu wollen, tun, was wir können und überlassen den Rest dem Lauf der Dinge, ohne in uns Widerstand und damit Leid gegen das Geschehen zu erzeugen.

Leben ohne inneren Widerstand

Das kann man lernen und man kann es üben. Immer mehr Menschen tun das und befreien sich aus den Klauen von Sorgen, Ängsten und Nöten. Auch in meiner Arbeit nimmt dies einen immer größeren Raum ein. Die Methode, die ich dazu verwende, heißt „The Work“. Ich habe kürzlich einen kostenlosen Webinar-Abend zur Einführung in die Methode veranstaltet. Dieses gibt es als Aufzeichnung auf Video. Das Video hat eine gute Qualität und du kannst es dir auch jetzt noch kostenfrei anschauen. Ich möchte dich dazu einladen: Kostenlose Einführung in The Work Es gibt weitere Gelegenheiten, The Work zu üben und zu erlernen. Im Oktober fand eine kleine, geschlossene Übungsgruppe per Webinar statt, wo wir an drei Abenden persönliche Themen „geworkt“ haben. Ich biete gern weitere Gelegenheiten dazu an, wenn der Wunsch danach besteht. Schreib mir bitte eine e-mail, wenn du daran Interesse hast. Wer gern mit mir „live“ The Work lernen möchte, hat am Abend des 11. November dazu Gelegenhiet in Dormagen-Zons (zwischen Köln und Düsseldorf), siehe hier: Einführungsabend in The Work. Ich wünsche mir, dass sehr viele Menschen dieses einfache Werkzeug für sich entdecken werden und es für ihr Leben anwenden. Alles Gute dir!

Sabine

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