Lebendige Planeten von Dana Gerhardt

Lebendige Planeten von Dana Gerhardt

Ich habe Lust, die kurze „planetentippfreie“ Zeit für Dinge zu nutzen, die ich lange nicht mehr getan habe. Ich halte gerade Rückblick – so soll es ja auch sein bei rückläufigem Merkur.

Und da kommen mir all meine astrologischen Buchübersetzungen in den Sinn, die ich im Laufe der vergangenen rund 15 Jahre angefertigt habe. Mein erster Beruf ist nämlich Diplom-Übersetzerin. Nach meinem Studium an der Fachhochschule in Köln habe ich viele Texte übersetzt. Zum Beginn meiner Selbständigkeit als Astrologin dann natürlich auch astrologische. Sehr viele Artikel und einige Bücher.

Dabei verbindet mich vor allem mit der amerikanischen Astrologin und Autorin Dana Gerhardt etwas – wir beide haben eine ganz besondere Beziehung. Wir haben einander nie gesehen, nur ein paar Mal hin und her gemailt. Und danach habe ich jahrelang ihre wundervollen Texte übersetzt. Viele davon sind in der Fachzeitschrift „Meridian“ erschienen, eine Textanalyse von ihr namens „Moonprints“ gibt es als individuelle Horoskopanalyse bei mir zu erwerben und die Artikelreihe von ihr zu den Planeten ist im März diesen Jahres als Buch bei Astronova erschienen.

Es heißt „Lebendige Planeten“ und ist – von all meinen astrologischen Buchübersetzungen – eins meiner Lieblinge. Dana beschreibt darin auf sehr lebendige Art und Weise die Planeten. Sie ist eine Frau der Geschichten und der gelebten Erfahrungen, und lässt all das in ihre Sicht auf die Planeten einfließen. Ich darf euch heute, mit dem Einverständnis von Reinhardt Stiehle, dem Verleger, einen Ausschnitt aus diesem Buch präsentieren. Natürlich habe ich Pluto ausgewählt – nicht nur, weil wir gerade Sonne, den rückläufigen Merkur, den aufsteigenden Mondknoten und Saturn in seinem Zeichen, Skorpion, stehen haben. Sondern auch, weil es natürlich zu meiner Pluto-Webinar-Serie passt. Pluto ist gerade „dran“.

Ob ich euch aber „viel Freude“ bei der Lektüre wünschen darf oder besser „keine Angst und gute Erkenntnisse“, ist mir nicht ganz klar. 😉 Am besten jedoch beides. Hier der Buchausschnitt:

„Pluto

Im August 2006 degradierten die Astronomen Pluto von seinem Status als Planeten auf den eines Eiszwergs. Im Gegensatz zu wirklichen Planeten, so die Wissenschaftler, habe Pluto nicht genügend Kraft, andere Himmelsobjekte in Bewegung zu versetzen. Doch aus genau diesem Grund werden wir Astrologen ihn weiterhin benutzen. Plutos Gravitationskraft mag ja andere Himmelskörper in Ruhe lassen. Doch sein Erscheinen im Horoskop, im Aspekt oder im Transit, lässt uns auf der Erde lebende Menschen definitiv nicht unberührt.

Hier eine Szene aus einem meiner eigenen Pluto-Transite: Ich liege schluchzend auf dem Fußboden zu Hause, halb nackt, die Hände um die Fußgelenke meines Mannes geklammert, der sich zu befreien sucht und zur Tür raus will, es schließlich schafft und mich mit auf den Bürgersteig schleift. Er war gerade dabei, unsere Ehe zu beenden. Ich muss wohl mit Selbstmord gedroht haben, jedenfalls hatte mein Mann in der nächsten Szene die Feuerwehr gerufen. Drei rot glänzende Feuerwehrautos hielten am Straßenrand. Die Nachbarn versammelten sich, eine Reihe uniformierter Männer kam ins Haus, um nach mit zu sehen, und ich hörte, wie mein Mann erklärte, dass er woanders unterkommen könne. Zu der Zeit hatte ich noch keine Ahnung von Astrologie. Später entdeckte ich, dass man Radix-Saturn in Skorpion steht, in Konjunktion zum Aszendenten meines Mannes, und dass Pluto gerade über diesen Punkt lief. Mein Mann veränderte seinen Zugang zur Welt (Pluto über seinem AC). Mein Saturn versuchte krampfhaft, ihn fest- und den Strom der Ereignisse aufzuhalten. Doch statt dessen flog mir die meine ganze Lebensstruktur um die Ohren (Pluto auf meinem Saturn).

Pluto ging vor und zurück über den Aszendenten meines damals zukünftigen Ex-Ehemannes und bewegte sich auf das Quadrat zu seinem MC zu. Während dieser Zeit wurden wir nicht nur geschieden, er wurde auch trocken, zog mit seiner Freundin in einen neuen Bundesstaat, wurde Vater und begann einen neuen Beruf. Alles sehr kraftvolle Transformationen seiner Persönlichkeit und seiner Berufung. Auch ich veränderte mich. Es war hart. Ich lag tagelang auf dem Boden und starrte auf den kräftigsten Deckenbalken. So könnte es alles einfach enden. Meine Schwester hatte mir von einer Frau erzählt, deren Mann sie ebenfalls gerade verlassen hatte. Ihr neugeborenes Baby schlief nebenan, sie stellte sich auf einen Stuhl, warf eine Verlängerungsschnur über einen Deckenbalken, schlang die Schnur um ihren Hals und trat den Stuhl unter sich weg. Das tat ich letztlich nicht, doch in jedem anderen weltlichen Sinne starb auch ich. Es war die schmerzhafteste Zeit meines Lebens. Und die lohnenswerteste.

Ich reiste viele Monate durch die Unterwelt, völlig erschöpft, grenzenlos verängstigt, gezwungen, mich ganz dem Geschehen zu überlassen. Ich war so zutiefst gedemütigt, dass ich all die naiven und selbstsüchtigen Konzepte, die mich so weit gebracht hatten, loslassen musste. Aus diesem großen Loslassen ging ich neugeboren hervor. In dem Jahr darauf war ich so dankbar für diesen Transit, dass ich mich regelrecht in Acht nehmen muss, wenn ich über Pluto spreche. Ich fürchte, ich höre mich nämlich fast zu verrückt, ähnlich an wie der Transformationspsychologe Stanislas Grof, der behauptet, die Geburt eines Kindes können eine angenehme, ja geradezu orgasmische Erfahrung sein (häh?!). Doch es stimmt: Das Leben, das ich heute genieße, begann, als Pluto über meinen Saturn lief. Weitere Reisen durch die Unterwelt haben noch mehr Geschenke zutage gefördert. Aus diesem Grunde will ein Teil von mir immer sagen: »Ah, ein Pluto-Transit naht? Was für ein Segen!«

Natürlich zittert auch ein Teil von mir immer ängstlich. In den vergangenen achtzehn Jahren bin ich durch verschiedene Pluto-Transite gegangen. Pluto lief in Konjunktion über meinen Merkur, meine Venus, meine Sonne; im Quadrat zu meinem Mond und Aszendenten; in Opposition zu meinem MC. Diese Phasen brachten immer Stress, Transformation und Neugeburt mit sich. Doch keine näherte sich mir mit einer solch tödlichen Intensität der ersten Pluto-Saturn-Erfahrung. Einige Transite kamen und gingen auf so leisen Sohlen, als wäre Pluto lediglich kurz auf Zehenspitzen durch mein Leben geschlichen. Aber dennoch unterschätze ich Plutos Macht nicht mehr. Das Jahr, in dem Pluto kurz vor dem Übergang über meine Sonne stand, rief ich meine Lieblingswahrsagerin an. Mit einem nervösen Lachen fragte ich sie: »Und, muss ich dieses Jahr sterben? Oder jemand anderes, den ich liebe?« »Nein«, entgegnete sie. »Aber Sie werden sich ein bisschen verändern!«

Ich selbst kann niemandem die Zukunft voraus sagen. Wenn Klienten mich anrufen, dann kann ich ihnen noch nicht einmal sagen, was Pluto genau mit sich bringen wird; noch kann ich vorhersagen, ob es ein sanfter oder ein harter Transit werden wird. Doch ich weiß, was danach kommt. Alle Pluto-Transite folgen dem gleichen Drehbuch – eine Kombination aus dem sumerischen Mythos von Inanna, die ihre dunkle Schwester Ereshkigal besucht, und dem griechischem Mythos von Pluto, der die süße Persephone raubt und sie in die Unterwelt entführt. Folgende Kombination aus diesen beiden Geschichten erzähle ich meinen Klienten häufig[i]: Sie wandern nichtsahnend und unschuldig durch die Blumenwiese Ihres Lebens, als Pluto plötzlich seine Hände um Ihre Fußgelenke krallt und sie in die Unterwelt zieht. Dort zieht er Sie nackt aus und hängt Sie mit dem Kopf nach unten an einen Fleischerhaken. Wenn ich mit einem Klienten während oder nach seinem Pluto-Transit spreche, dann sagt er meistens: »Ja, genau so war es.«

Plutonische Geschichten beginnen zumeist mit einer unliebsamen Überraschung. Der mittlere Teil der Geschichte, der im Untergrund, kann ein paar Tage dauern, ein paar Wochen oder sich auch über Monate hinziehen, ganz abhängig von der Wahl, die wir jeweils treffen. Sie leiden ganz allein und auf sich gestellt, bis auf einmal eine Tür in Ihrem Verlies dort unten aufgeht und Pluto eintritt. »Wie geht es dir?« fragt er. »Miserabel.« lautet Ihre Antwort. »Würdest du gern vom Fleischhaken runter kommen?« »Ja!!« »Fantastisch«, meint Pluto. »Alles, was du tun musst, ist das aufzugeben, was dir das Liebste ist, das, wovon du glaubst, nicht ohne es leben zu können.« »Alles, nur das nicht!« »Du hast die Wahl«, so Pluto. Er verlässt den Raum und Sie winden sich vor Schmerzen.

Pluto will, dass wir etwas aufgeben. Aber warum lässt er uns so leiden? Kann uns eine Gottheit nicht zu Transformation ohne Kummer verhelfen? Als ich zehn war, stellte ich dem Christengott eine ganz ähnliche Frage: »Wenn du so mächtig bist und alles tun kannst, was du willst, warum hast du deinen einzigen Sohn umgebracht, hast erlaubt, dass Menschen ihn demütigen und Nägel durch seine Hände und Füße schlagen? Konntest du keinen anderen Weg finden?« Das Motiv des leidenden Helden taucht auch in anderen Kulturen auf, wo Initianden auf schamanische Reisen gehen und im übertragenden Sinne zerstückelt werden, sich an den Rand des Todes begegen (und zuweilen darüber hinaus), bevor sie selbst schamanische Kräfte erhalten. Auch im Buddhismus werden einige große Meister zunächst von ihren Lehrern geschlagen und gedemütigt oder müssen unglaubliche Proben und Verluste überstehen, bevor sie sich der Erleuchtung öffnen. Warum geht es bei Pluto-Transiten, genau so wie in vielen mythologischen und spirituellen Traditionen, immer wieder um die gleiche schmerzvolle Erfahrung des Todes, der Transformation und der Wiedergeburt?“ ….

Buchbestellung bei Astronova


[i] Ich bin Georgia Stathis sehr dankbar, von der ich diese Geschichte zum ersten Mal auf einem Vortrag von ihr hörte:“Pluto: The Planet of Choice,“ während der First International Cycles & Symbols Conference,  26.-30. Juli 1990, San Francisco, CA.

One Response »

  1. „Pluto will, dass wir etwas aufgeben. Aber warum lässt er uns so leiden? “

    Ich muss grad schmunzeln über diese „köstlich-schmerzliche“ Geschichte. Naja, Pluto lässt uns ja nicht leiden. Wir leiden eben, weil wir uns so verhalten, wie oben beschrieben: Statt den Herrn ziehen zu lassen und zu sagen :“Bitte, der Stuhl neben mir ist frei – wer will ihn haben?“, liegen wir wimmernd (und auch noch halbnackt) auf dem Boden und halten IHN an den Füßen fest.

    Es braucht wohl so eine Kraft wie Pluto – weil wir uns so hartnäckig gegen den auf des Leben stellen. Also, wer lässt hier wen leiden :-)?

    LG Sylvia Grotsch

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *