Ein Tipp anderer Art

Ein Tipp anderer Art

Liebe Planetentippleserin und lieber Planetentippleser,

ich möchte heute einen besonderen Text mit dir teilen, in dem es darum geht, wie du dich von negativem Denken lösen und innerlich frei von Sorgen und Gedankenschleifen werden kannst. Ich arbeite schon sehr lange mit dieser Methode namens „The Work“ und sie hat mir in schwierigen Lebensphasen sehr geholfen und tut es immer noch. Auch viele meiner Klienten schätzen die Technik mittlerweile sehr. Ich selbst lasse mich derzeit zum Coach für The Work zertifizieren, um dies künftig noch stärker in meine Arbeit zu integrieren.

Ich komme gerade von einer Fortbildung dazu zurück und bin mal wieder voller Staunen und Ehrfurcht darüber, wie befreiend auf den Geist, die Seele und den Körper diese einfache Methode wirkt, wenn man sie auch wirklich anwendet. Du erhältst über den Text unten einen kleinen Einblick in die Methode. Natürlich kann man es nicht rein theoretisch lernen – ein praktischer Einblick ist immer besser. Nicht jeder kann zu meinen Übungstagen zu The Work nach Düsseldorf oder Köln kommen.

Deswegen habe ich mir überlegt, einen Einstieg dazu in einem Webinar anzubieten. Das Webinar findet am Freitag, den 30. November von 19 – 20 Uhr statt. Wenn du Internet hast, kannst du daran teilnehmen. Wenn du nur zuhören möchtest, brauchst du nichts weiter. Wenn du die Methode live selbst einmal mit mir ausprobieren möchtest, was ich natürlich empfehle, solltest du einen Kopfhörer und ein Mikrofon haben oder statt dessen direkt ein Headset (Kopfhörer mit Mikro). Letzteres gibt es sehr günstig ab 20,- Euro zu kaufen.

Ich würde mich freuen, dich bei dem Webinar zu „treffen“. Schau es dir einmal an auf Edudip. Weitere Infos findest du hier: https://www.edudip.com/academy/Sabine.Bends

Und nun viel Vergnügen bei meinem Text dazu!
Sabine

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Wege der Selbsterkenntnis

Vor vielen Jahren fiel mir auf, dass Dinge, die andere Menschen über Dritte sagten, eigentlich auf sie selbst zutrafen. Jemand sagte zu einem anderen: “Kannst du nicht mal etwas leiser sein? Immer trompetest du so herum!” Und mir schoss der Gedanke durch den Kopf: “Komisch, sie selbst ist doch ziemlich laut und ungestüm.” Nachdem mir das mehrfach hintereinander aufgefallen war, dachte ich: “Nun, wenn das auf andere Leute zutrifft, wird es wohl auch auf mich zutreffen. Ich brauche also nur darauf zu achten, was ich zu anderen sage und es dann auf mich selbst beziehen.” Vor allem in einem beratenden Beruf kann man diese “Eigentherapie” natürlich gut nutzen.

Doch der Prozess meiner Selbsterkenntnis war damit natürlich nicht zu Ende (als ob er jemals enden könnte…), vielmehr fing er auf einer bestimmten Stufe gerade erst an. Auf einer bestimmten Stufe, sage ich deshalb, weil er natürlich schon immer läuft und nicht gerade erst begonnen hat. Wir sind permanent im Prozess der Selbsterkenntnis, ich vermute, das ist unser einziges Lebensziel. Nach dieser Entdeckung lernte ich in 10 Vipassana-Meditationstagen etwas über Selbstbetrachtung ohne Gedanken und konnte fühlen, wie aus meinem Körpergewebe Muster aufsteigen und vergehen. Körper und Geist spiegeln einander, also muss sich auch geistig etwas bei mir gelockert haben, zumindest kommt es mir im Nachhinein so vor. Ich hatte danach einen regelrechten “Durst” auf bestimmte Bücher und bekam immer mehr das Gefühl, in einer Welt zu leben, die eine reine Projektion meiner Gedanken ist. (Nicht, dass jemand denkt, ich glaube, ich erschaffe die Welt, so meine ich es nicht :-).

Aber ich konnte regelrecht fühlen, wie sich die Dinge außerhalb von mir selbst mit meinem Inneren im Einklang bewegen. Über Umwege kam ich dann dazu, die Biografie von Byron Katie mal wieder zu lesen und mir Arbeitsbücher zu holen, die zu ihrem Selbstbefragungsprozess namens “The Work” anleiten. Hintergrund dieses Prozesses ist genau das, was ich damals feststellte: Dinge, die wir über andere, uns selbst oder die Welt sagen oder denken, zu hinterfragen und sie so umzukehren, dass wir sie auf uns selbst anwenden. Das hört sich sehr schlicht an, und das ist es auch.

Man könnte einfach alles, was man denkt, nehmen und umdrehen: “Mein Nachbar ist unfreundlich.” wird in einer Umkehrung zu: “Mein Nachbar ist freundlich.” oder “Ich bin unfreundlich.”. Doch wenn wir die Dinge einfach nur umkehren, ohne uns wirklich darauf einzulassen oder den Wunsch zu verspüren, unserer persönlichen Wahrheit wirklich näher zu kommen, bleibt es ein Gedankenspiel ohne große Folgen. Deswegen ist der Prozess in “The Work” ein bisschen umfangreicher. Und er verlangt Zeit und den Wunsch, wirklich etwas von sich selbst besser zu verstehen und zu erkennen.

Wir alle “wissen” wahrscheinlich, dass das Leben eine Projektion unseres Denkens ist. Aber ist es uns wirklich zutiefst bewusst? Können wir jeden Menschen, der uns ärgert, jedes unangenehme Ereignis wirklich als einen Teil unseres Selbst erkennen? Wer kann das schon…. Erleuchtete Menschen wahrscheinlich. Doch ist Erleuchtung nicht genau dieser Weg, sich davon zu befreien, die äußere Welt als etwas Getrenntes von sich selbst wahrzunehmen? Vielleicht ist Erleuchtung gar kein blitzartiges Licht, das plötzlich angeht und sich über uns ergießt, sondern ein langsames Werden. Okay, ich bin also auf dem Weg der Erleuchtung – wunderbar :-)!

 …und wie mache ich das? Also, wie funktioniert dieser Weg? Byron Katie stellt auf ihrer Website ein Arbeitsblatt zur Verfügung. Zu finden unter www.thework.org unter “Ressources”, “Download Materials”. Dieses Arbeitsblatt ist seit langem schon meine „Religion“. Alles, was ich denke oder was mir geschieht und was mich aus der Fassung bringt, wird damit bearbeitet. Und das geht so: Erst schreibe ich mir meinen ganzen Müll von der Seele, das, was ich gerade denke, indem ich auf vordefinierte Fragen antworte. Ich mache das Ganze schriftlich und völlig unzensiert, egal, wie peinlich es ist, so etwas zu denken oder zu schreiben.

Hier ein Beispiel mit einer beliebten und immer wieder gern für Projektionen verwendeten Person: der eigenen Mutter. Die Fragen sind von Byron Katies Arbeitsblatt, die Antworten sind meine eigenen.

1. Wer macht Sie ärgerlich, traurig oder enttäuscht Sie und weshalb? Was mögen Sie an dieser Person nicht?
Ich ärgere mich über meine Mutter, wenn sie zuviel quatscht. Sie redet unzusammenhängend, unüberlegt und handelt nicht entsprechend. Sie sollte weniger und klarer sprechen.

2. Was wollen Sie von ihr – wie sollte sie sich ändern?
Ich will, dass sie sich mehr zurückhält beim Sprechen, mich seltener anruft und sich kürzer fasst. Sie soll mich nicht mit ihren Gedanken und Gefühlen überschütten.

3. Was genau sollte sie tun oder lassen, denken oder fühlen? Wie sollte sie sein? Welchen Rat hätten Sie für sie?
Sie sollte nicht so viel reden und dafür mehr handeln.

4. Brauchen Sie etwas von ihr? Was sollte sie für Sie tun, damit Sie glücklich sind?
Ich brauche von ihr, dass sie mich weniger vollquatscht und mir mehr zuhört.

5. Was denken Sie über sie? Zählen Sie es auf.
Sie ist unkonzentriert, überemotional, vereinnahmend und benutzt andere, um ihren gedanklichen und seelischen Müll abzuladen.

6. Was wollen Sie mit dieser Person nie wieder erleben?
Ich will nie wieder, dass sie mich vereinnahmt und geistig-emotional überlädt.

Das war Teil 1 – mein Urteil. Nun kommt “The Work”. Ich gehe nun alle Punkte der Reihe nach durch und frage mich zu jedem:

1. Ist das wahr? Und wenn ich denke: “Ja, das stimmt.”, hinterfrage ich es nochmals mit

2. Können Sie mit absoluter Sicherheit wissen, dass das wahr ist? Die Antworten darauf spielen keine Rolle. Sie müssen nur für uns stimmen und aus unserem Inneren kommen. Ein “ja” ist gleichwertig mit einem “nein”. Es geht lediglich darum, das, was ich glaube, zu hinterfragen, so ehrlich und tief wie möglich. Ich frage mich also zu 1. ob das wahr ist: Ja, ich ärgere mich, das ist wahr. Daran gibt es nichts zu rütteln. Ob sie allerdings wirklich unzusammenhängend und unüberlegt spricht und nicht entsprechend handelt, kann ich nicht wirklich in letzter Konsequenz wissen. Es kommen Zweifel auf. Beim letzten Punkt kann ich direkt mit einem klaren “nein” antworten: “Sie sollte weniger und klarer sprechen.” Das ist nicht wahr, denn sie spricht nicht weniger und klarer, nur weil ich das denke oder will. Und ob sie es sollte, kann ich eigentlich auch nicht entscheiden. Es ist einfach nicht meine Angelegenheit. Nun frage ich mich:

3. Wie reagieren Sie, wenn Sie diesen Gedanken denken? Oh, ich bin unfreundlich zu ihr, während wir telefonieren. Ich unterbreche sie, bin kurz angebunden, höre ihr nicht richtig zu, nehme das, was sie sagt, nicht wirklich ernst. Ich bin richtig fies.

4. Wer wären Sie ohne diesen Gedanken? Ohne diesen Gedanken wäre ich einfach nur eine Frau, die mit ihrer Mutter telefoniert und ihr zuhört, ohne Ärger, ohne Groll. Und vor allem ohne Unfreundlichkeit. Nun folgt die Umkehrung. Auch hier gibt es kein “richtig” oder “falsch”. Finde einfach so viele Umkehrungen wie für dich stimmig sind. “Ich ärgere mich über mich, wenn ich zuviel quatsche. Ich rede unzusammenhängend, unüberlegt und handele nicht entsprechend.

Ich sollte weniger und klarer sprechen.” Nun frage ich mich, ob diese Aussage nicht mindestens genau so wahr ist wie die vorherige oder sogar noch wahrer. Ja, ich kann das in mir wiederfinden. Aber der Satz, der mich richtig trifft und tief erschüttert, ist der: “Ich sollte weniger und klarer sprechen.” Und weil er mich so trifft, weiß ich, dass das meine Wahrheit ist. Ich fühle sie schon lange, und jedes Mal, wenn ich mich anders verhalte, geht es mir schlecht. “Klarer” heißt für mich auch “wahrer”. Wahrheit ist Klarheit und Klarheit ist Wahrheit. Ich bin nicht immer zutiefst ehrlich. Jemand erzählt mir etwas und ich zeige Verständnis: “Ach, du Armer. Ja, das ist schlimm.” Bin ich wirklich der Überzeugung, dass es schlimm ist? Oder möchte ich nur nicht unhöflich sein? Oder ich antworte auf eine Frage, dabei habe gar nicht richtig zugehört. Oder ich gebe eine Antwort, die der andere hören will. Dabei ist Wahrheit und Wahrhaftigkeit für mich so wichtig. Es ist ein Ideal für mich, Teil meines Lebens und meiner Arbeit. Doch ehrlich zu sein, macht mir zuweilen auch Angst. Damit macht man sich im Privatleben nämlich auch unbeliebt. “Das klingt so kalt und herzlos, der andere würde es nicht verstehen – das kann ich also nicht sagen.” “Ich habe keine Lust, weiter zuzuhören, aber das ist ja unhöflich.”

Ich erspare dir, lieber Leser, den Rest meiner Analyse, und greife nur noch die Sätze heraus, die mich in der Umkehrung besonders berühren: “Ich sollte mich selbst nicht mit meinen Gedanken und Gefühlen überschütten.” “Ich benutze andere, um meinen gedanklichen und seelischen Müll abzuladen.” Am Ende dieser Work bleiben Erkenntnisse, keine Schuld. Ich überfordere mich nicht damit, sofort von mir zu erwarten, dass ich all das umsetze, und ich fühle mich auch nicht schuldig dafür, weil ich es bisher zu wenig getan habe. Ich bin ein Stück freier und habe etwas über mich selbst gelernt, mit der Hilfe von genau zwei wunderbaren Lehrmeistern: Meiner Mutter und mir selbst. Herzlichen Dank dafür an dich, Mami. Danke, dass du mich vollquatschst, ich freue mich auf das nächste Mal!

Sabine Bends

Lieben was ist. Wie vier Fragen Ihr Leben verändern können Autor: Byron Katie ISBN: 3442336503

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